Internationaler Händewaschtag

in Zeiten von Covid-19

Am 15. Oktober 2008 rief die Weltgesundheitsorganisation den Internationalen Händewaschtag ins Leben. Zum 13. Mal also begehen wir heute diesen Internationalen Gedenktag, doch so viel Aufmerksamkeit wie in diesem Jahr wurde dem Händewaschen bisher wohl kaum zuteil.

Seit Covid-19 gibt es in Deutschland und vielen weiteren Ländern quasi an jedem Waschbecken im öffentlichen Raum Anleitungen dazu, wie das mit dem gründlichen Händewaschen richtig geht. Damit bloß nicht zu früh der Waschgang beendet wird, häufen sich im Internet Vorschläge für 30-Sekunden Melodien, die beim Händewaschen mitgesummt werden sollen und den Rest des Tages für einen Ohrwurm sorgen. Im März und April kam es kurzzeitig sogar zu Lieferengpässen von Seife und Co., da die Nachfrage plötzlich stark gestiegen ist. Das alles scheint verwunderlich. Denn schon vor Corona galt als gesichert, dass Händewaschen hilft, die Ausbreitung von Viren und Bakterien einzudämmen.

Warum also wird das Händewaschen (vor und mit Corona) häufig als lästige Pflicht wahrgenommen und weniger als schützende, routinemäßige Hygienemaßnahme? Ein Blick in den öffentlichen Raum genügt, um sich diese Frage zumindest teilweise zu beantworten. Auf den Schultoiletten waren die Seifenspender bis vor kurzem chronisch leer, ebenso in den sanitären Anlagen von Clubs, Bars und Restaurants. Selbst im Krankenhaus und in Gesundheitsämtern ist die Ausstattung oft dürftig. Vom Händewaschen einmal abgesehen braucht es für Hygiene und Infektionsschutz im öffentlichen Raum auch Zeit und Personal; Personal, das fair für seine Arbeit entlohnt wird und nicht unter prekären Arbeitsbedingungen leiden muss. Dass das Händewaschen und weitere Hygienekonzepte in einem so reichen Land wie Deutschland nicht überall problemlos funktionieren, erscheint vor dem Hintergrund, dass fließendes Wasser und Seife eben nicht in allen Teilen der Welt einfach verfügbar sind, zynisch.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Gewohnheiten zum Händewaschen im Privaten und im Öffentlichen auch nach Covid-19 halten und das Händewaschen in Restaurants, Bars, Schulen und auf dem Amt auch mit Seife eine Selbstverständlichkeit ist. Die entsprechenden Voraussetzungen dafür hat die Politik zu schaffen.


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