Suchthilfe braucht viele Hände

Die Hütte war voll beim Schöneberger Forum am 25. Februar 2019, als es um Drogenkonsum und Prävention im Kiez ging. Vertreter*innen der Gesundheitsplanung, von Beratungsstellen, der Drogenfürsorge, von Jugendarbeit und Landespolitik waren da, um sich über die aktuellen Fragen auszutauschen.

Interessen vermitteln, Personal schulen

Eindrücklich berichtete ein Kollege aus der Jugendarbeit, wie auf Spielplätzen und Kirchplätzen Interessen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen zuweilen aufeinander prallen. „Konfrontation ist keine Strategie“, ist das zentrale Fazit seiner Arbeit. Selbst wenn es im Einzelfall verständlich sein mag, wenn alteingesessene Anwohner*innen junge Konsument*innen verbal angehen. Angstfreie Räume für alle zu schaffen, unter Vermittlung des Quartiersmanagement Interessen moderieren, das sind bewährte Verfahren. Oder einfach mal den Blick für die Interessen anderer schärfen, wie am Beispiel der Beschaffungsprostitution erläutert wurde, die dazu gebracht wird, die Räume von Schulen und Kindertageseinrichtungen zu umgehen.

Die soziale Not wird tendenziell größer; Zustände wie in den 1980er Jahren im Kiez herrschten, sind es aber nicht. Doch der Konsum harter Drogen im öffentlichen Raum bleibt. Das ist eine Herausforderung auch für die Leute, die Straßen, Parks, U-Bahnhöfe für die Mehrheit sauber halten wollen. Was bedacht werden muss, wenn Konsumrückstände wie Spritzen und menschliche Exkremente entsorgt werden sollen, schilderten die beiden Vertreter*innen der BSR.

Der sicheren Entsorgung dienen auch die Spritzenabwurfbehälter, die nun nach und nach aufgestellt werden. Sie sind Teil des Maßnahmepakets, das die BVV Tempelhof-Schöneberg zur Suchthilfe im Herbst 2018 beschlossen hat. Der Drogenbus gehört unter anderem auch dazu.

Die Karawane zieht weiter

In einem Punkt waren sich alle einig: Die kritischen Punkte im städtischen Raum von A nach B zu verschieben, vom Stutti nach Neukölln und zurück an den S-Bahnhof Yorckstraße, das bringt niemandem etwas. Die Schwierigkeiten und Konflikte anzugehen, setzt Kooperation der verschiedenen Träger und Akteur*innen voraus. Anlaufstellen muss es auch für jene geben, die sich nicht als erstes in einer Suchtberatung sehen, wie Angehörige von Menschen mit grenzwertigem Drogenkonsum. Hier will beispielsweise Weltenmeer ansetzen, die in der Kolonnenstraße eine Anlaufstelle für solche Menschen etablieren möchten.

Neben der Vielfalt der Ansätze von gesundheitspolitischer Seite in Bezirk und Land, aufsuchender Hilfe und sozialpädagigischer Unterstützung im Kiez selbst, ist vor allem auch eins nötig: eine verlässliche Finanzierung und gute Abstimmung all dieser Maßnahmen. Für eine Verstetigung der Mittel setzte sich Catherina Pieroth zurzeit in den Haushaltsverhandlungen ein, für die Vernetzung der vielfältigen Akteur*innen im Kiez war der Abend im Forum Schöneberg sehr hilfreich!

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